Wandel und Kontinuität

32 Jahre als Geschäftsführer der GRÜNEN Essen

Nach 32 Jahren beende ich meine Tätigkeit als Geschäftsführer der GRÜNEN/GAL Essen. Im Herbst 1984 begann ich diesen Job, den ich bis heute inne habe. Es war nach der ersten erfolgreichen Kommunalwahl mit GRÜNER Beteiligung und einem erfreulichen. Ergebnis von 8,6%. Vorher war ich Sprecher der Grün-Alternativen Liste und habe die Gründung der GAL und diese Wahl mit vorbereitet.
Seitdem bin ich mit dieser interessanten Tätigkeit bestens ausgelastet und beschäftigt, die mich immer wieder vor neue Aufgaben und Herausforderungen gestellt hat. Das eigen- und selbstständige Arbeiten kam mir dabei sehr entgegen. Zwar war und bin ich natürlich auch weisungsgebunden, aber der Freiraum für eine selbständige Ausgestaltung war und ist sehr reizvoll.
Welche Impulse setzt man, wo bringt man sich besonders ein? Es hat mir überwiegend viel Spaß gemacht, meine Talente und Fähigkeiten für die Arbeit der GRÜNEN zu nutzen bis hin zum Fotografieren. So habe ich mich mit der Erfolgsgeschichte der GRÜNEN entwickelt und dabei eine Arbeit gefunden, mit der ich sehr zufrieden war und bin, auch weil ich mich mit den Zielen immer weitgehend identifiziert habe.

Unser Aufstieg

Letztlich ist die bisherige Geschichte der GRÜNEN trotz erlittener Rückschläge eine Erfolgsgeschichte. Wir haben uns als drittstärkste Partei gefestigt, auch wenn wir diese Position immer wieder neu erkämpfen und verteidigen müssen. Wir haben mit unseren politischen Vorstellungen die Köpfe vieler Menschen gewonnen und die öffentliche Meinung geprägt. Nicht nur beim Umweltschutz oder beim Atomausstieg, sondern auch bei der Gleichstellung von Frau und Mann, von Heterosexuellen und gleichgeschlechtlich orientierten Menschen. In diesen Bereichen sind unsere Positionen ebenso mehrheitsfähig wie bei unserem Eintreten für eine bunte und offene Gesellschaft. Insofern war und bin ich Bestandteil einer innovativen und modernen Partei, die den ersten Atomausstieg und die Energiewende auf den Weg gebracht hat, obwohl die Groko den weiteren Fortschritt der Energiewende gefährdet.

Gut gemischt mobil

Persönlich habe ich mich besonders für eine andere Verkehrspolitik stark gemacht. Als leidenschaftlicher Radfahrer bin ich auch Mitglied im ADFC und im VCD. Der Ausbau und die Verbesserung des ÖPNV sind für mich ein besonders Anliegen. Mein Großvater war bei der Reichsbahn, mein Vater bei der Berliner Verkehrsgesellschaft beschäftigt, das hat mich sicherlich auch geprägt. In Berlin aufgewachsen bin ich weitaus bessere Standards bei Bahn und Bus gewohnt als wir sie heute in Essen wie im Ruhrgebiet haben. Da gibt es nach wie vor einen großen Nachholbedarf. Statt Mobilität ökologisch und stadtverträglich zu entwickeln, kämpft man hier seit Jahrzehnten gegen Pläne ohne Zukunft – zum Bau einer Transitautobahn A52 mitten durch Essen. CDU und SPD wollen hier immer noch mit dem Auto durch die Wand – das ist sicher trotz aller Teilerfolge zur Verhinderung der A52 ein zermürbendes Kapitel meines Engagements.

Verlässliche Größe

Für die GRÜNEN in Essen war und bin ich eine wichtige und verlässliche kommunikative Schnittstelle, wo viel zusammen lief und gestaltet werden konnte. Bei einer Kontinuität von über 30 Jahren ist dies natürlich auch nicht verwunderlich. Innerhalb der GRÜNEN NRW ist eine solche Kontinuität jedenfalls einmalig und bundesweit vermutlich auch eine absolute Ausnahme.  Insofern galt für mich der Satz: „Einmal Geschäftsführer – immer Geschäftsführer!“ und gilt zumindest bis zum Ende dieses Jahres, wenn ich in Rente gehe. Außer mir gab es bisher niemanden in dieser Position.

Einige Menschen aus dem Umfeld der GRÜNEN wie auch Mitglieder haben mir gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass sie sich ein GRÜNES Büro ohne mich nicht vorstellen können. Das ehrt mich. Aber Lebbe geht  weiter! Die GRÜNEN verfügen über viele Talente und unser neuer Geschäftsführer Sebastian Girrullis wird in diese Aufgabe hineinwachsen, da bin ich mir sicher.

Im Team kommt man weiter

Im Übrigen beruht auch mein Erfolg auf guter Zusammenarbeit und auf Teamarbeit. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern wie auch mit einigen Abgeordneten und den jeweiligen Fraktionsgeschäftsführer*innen  habe ich eine gute Arbeit machen können. Ich konnte auch auf meine  Mitgrünen bauen, wobei es selbstverständlich auch Ausnahmen gab. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bedanken bei den Menschen, mit denen ich an der einen oder anderen Stelle zusammengearbeitet habe, innerhalb und außerhalb der GRÜNEN, sei es in Bürgerinitiativen, Verbänden oder bei Bürgerbegehren. Wir brauchen weiterhin starke GRÜNE in allen Parlamenten mit der Fähigkeit, Mehrheitsmeinungen zu schaffen oder zumindest zu beeinflussen. Dafür wünsche ich uns allen viel Glück und Kraft vor allem in den kommenden Wahlen 2017.

Joachim Drell
PS: Auf der Mitgliederversammlung am 18.1. wird es ab ca. 20.15 eine Abschiedsfete geben. Save the date. Einladung folgt.

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