Hilfe aus Essen in aller Welt

Der Essener Kinderarzt und Cap-Anamur-Chef Dr. Werner Strahl bei den GRÜNEN in Rüttenscheid

 Essen-Rüttenscheid, 5.4.2017. „Politiker, was tut ihr für die armen Länder? Wie beuten wir die eigentlich reichen Länder Afrikas durch unsere Knebelverträge aus?“ Jeder kann sich auch hier vor Ort für einen dringend notwendigen Bewusstseinswandel einsetzen. Davon ist der Essener Arzt und Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur Deutschland Werner Strahl überzeugt. Mit aufrüttelnden Bildern hat er der GRÜNEN Stadtteilgruppe Rüttenscheid im Le Fou von seinen Hilfseinsätzen in Afrika, im Nahen und Mittlere Osten und Asien berichtet. Schwerpunkt der Hilfe: Hungerversorgung, Zugang zu sauberem Trinkwasser, Hilfe bei Naturkatastrophen, Aufbau von Krankenhäusern und Schulen. „Wir fliegen nicht mit dicken Flugzeugen in die betroffenen Länder, sondern nur mit viel Geld, um auf Nachbarinseln oder in Nachbarländern Nahrungsmittel oder Baumaterialien zu kaufen“, erläuterte Strahl. Um unabhängig und selbst verantwortet, schnelle, unbürokratische Hilfe leisten zu können, verzichte man auf staatliche Gelder und setze allein auf private Spenden. Das ermögliche auch eine große Nähe zur Bevölkerung: „Wir leben und arbeiten unter den gleichen Bedingungen wie die Menschen vor Ort. Und wir bleiben, bis wir unsere Projekte an die Menschen vor Ort übergeben können.“

Zuletzt war Werner Strahl im Dezember in Somaliland, im nördlichen Teil des ostafrikanischen Somalia, das aktuell wegen der verheerenden Hungersnot in den Medien ist. „Seit drei Jahren ist kein Tropfen Regen gefallen. Die Hälfte der Herden ist bereits verendet“, berichtet Strahl von der schwersten humanitären Katastrophe Ostafrikas. Aus den noch vorhandenen Quellen werde Wasser aus bis zu 300 Metern Tiefe entsalzt und in Tanklastern zu 5.000 Familien gebracht. Um die im April hoffentlich einsetzenden Regenfälle optimal zu nutzen, bauen die Helfer von Cap Anamur Dämme. „Sonst fließt das Wasser sofort ins Meer ab“, erläuterte Cap-Anamur-Chef Strahl.

Seit 37 Jahren ist der Essener Kinderarzt bei Cap Anamur, das von dem vor einen Jahr gestorbenen Journalisten Ruppert Neudeck gegründet wurde, um Ende der Siebziger Jahre aus dem Vietnam geflüchtete Boat People aus dem südchinesischen Meer zu retten. Ziel sei es, mit langem Atem die Menschen in die Lag zu versetzen, ihre Lebensperspektiven selbst zu verbessern. „In Afghanistan waren wir vor dem 12 Jahre dauernden Bundeswehreinsatz und sind es heute immer noch“, sagte Werner Strahl. Die erhoffte Hilfe haben die Soldaten nicht gebracht. „Das war ein vollkommen unnötiger Einsatz“, kommentierte Werner Strahl. „Kaum vorstellbar, was humanitäre Hilfe mit den vielen Milliarden hätte erreichen können.“ Ob Krankenhäuser, Schulen oder Brücken – die Menschen vor Ort bauen mit den von Cap Anamur gekauften Baumaterial Gebäude und Infrastruktur selber auf. „Dann schützen die Menschen ihre Bauten“, erklärte Werner Strahl. Das Ausbildungsprojekt für Hebammen, das die Hilfsorganisation im Norden begonnen hat, ist auf das gesamte Land ausgeweitet worden. „Die Mütter- und Kindersterblichkeiten konnten wir mit dem Einsatz der Hebammen halbieren“, berichtete Strahl.

Hilfe vor Ort ist aber nicht immer möglich, weil die Gefahr für die Partner vor Ort zu groß ist. „Vor sechs Jahren hatten wir begonnen, in Syrien zu arbeiten und ein Krankenhaus übernommen“, berichtete Strahl. Nachdem drei syrische Ärzte in der Nähe von Alleppo durch Bomben starben, hat sich Cap Anamur zurückgezogen. „Heute helfen wir in den Nachbarländern wie Libanon und Jordanien den syrischen Flüchtlinge, die dort keine Gesundheitsversorgung bekommen“, so Strahl. Die Zahl der Flüchtlinge in Jordanien entspricht einem Drittel der Bevölkerung. „Das würde für Europa bedeuten, wir müssten 250 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen“, veranschaulichte Strahl.

„Jeder kann helfen, jeder kann seinen Beitrag leisten, wir sind den weltweiten Entwicklungen nicht machtlos ausgeliefert. Das zeigt das Engagement von Cap Anamur“, sagte Elke Zeeb vom GRÜNEN Kreisvorstand. „Wir müssen mit allen Ressourcen – ob Lebensmittel, Bodenschätze, Energie oder Trinkwasser – sorgsam umgehen. Leben und Zukunft wird so auch für die Menschen Afrikas möglich.“

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