Gewerbegebiet an der Johanneskirchstr. in Altenessen - eine frühere Fabrikhalle wird zur Moschee umgebaut.

Patriotische Sozialdemokraten gegen die Islamisierung Altenessens?

Wem nützt der neue SPD-Kurs in der Bezirksvertretung V?

Schön für die SPD im Bezirk V, dass die Bezirksvertretung in der Januarsitzung mit den Stimmen von SPD, CDU, dem EBB und Herrn Stodiek beschlossen hat, dass Betrieb und möglicher Ausbau der hier vorhandenen vier Moscheen eine erhebliche Verschlechterung der Lebensqualität im Stadtteil bedeuten. Widerspruch gab es nur von seiten der Grünen.
Vorausgegangen war ein SPD-Antrag mit dem mehr als sperrigen Titel „Bauanträge Aktenzeichen 08080-2017 (Thiesstraße) und AZ 10658-2015 (Altenessener Straße) –
Verkehrliche Auswirkungen nach der beantragten Umsetzung der Bauvorhaben für die Wohngebiete zwischen Kolpingstraße, Rahmdörne, Gladbecker Straße, Böhmerheide“. laut Antragsteller ging es nur um „Parkraumnot, die auch dadurch entstanden ist, dass mehrere Religionsgemeinschaften mit starken Besucherzahlen in einem Radius von ca. einem Quadratkilometer angesiedelt wurden„.
Wenig später präzisiert die BV5-SPD ihr Problem genauer: „Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass Moscheen und Gemeindezentren offensichtlich mehrheitlich im Essener Norden angesiedelt werden.“ Wer genau der- oder diejenigen sind, die so bewußt Moscheen insbesondere in Altenessen ansiedeln, läßt der Antragstext leider offen. Wenn es nicht die Muslime selber sind, müßten ja Stadtverwaltung und Stadtplanung hier steuernd eingegriffen haben.
Wenige Tage später aber äußert SPD-Ratsherr und Unterbezirksvorstand Karlheinz Endruschat ganz andere Besorgnisse, wegen der zunehmenden „Muslimisierung der Stadtteile im essener Norden“ könnte Altenessen kippen. Zumindest ist damit geklärt, nicht zu wenig Parkplatzflächen sind das Altenessener Problem, sondern zu viele Muslime im Stadtteil.
Genau dieses Signal aus der Bezirksvertretung macht mir Angst um die Zukunft Altenessens.

Andere Altenessener Problembeschreibung:

Heutige Forderfront der AbuBakr-Moschee an der Altenessener Strasse, künftig soll sie ein Grundstück weiter südlich neu gebaut werden.

Innerhalb der 30 Jahre, die ich jetzt in Altenessen lebe und in denen ich meinen Stadtteil durchaus nicht als Notstandsgebiet begreife, fallen mir da wesentliche andere Belastungen ein:
Der Stadtteil Altenessen hat ernsthafte Probleme, sei es die hohe Arbeitslosenquote, wilde Müllkippen, zu hohe Luftverschmutzungs- und Verlärmungswerte insbesondere entlang von Gladbecker- und Altenessener Str., dem Emscherschnellweg A 42. Es gibt Hausbesitzer, die ihre Immobilien gerade an den Hauptstraßen bei Leerstand verkommen lassen oder sie geldgierig mit zu vielen armen Mietern – oft aus Südosteuropa – vollstopfen. Hier hat das Ordnungsamt noch eine große Aufgabe vor sich. Außer Kontrolle geratene Jugendliche müssen mit deutlichen Mitteln des Jugendamts oder Polizei wieder auf Kurs gebracht werden. Etliche Schulen schreien seit Jahren ungehört nach mehr Lehrer*innen und Generalsanierung. Erneuerte Schulen könnten endlich höhere Übergangsquoten auf Gymnasium und Sekundarstufe II nach sich ziehen.

Kein gescheiterter Stadtteil!

Umbau einer früheren Werkshalle an der II. Schnieringstrasse zu einer Moschee mit eher libanesischer Gemeinde, die „Salâhu d-Dîn Moschee“ .

Vieles muss also verbessert werden – die Stadt soll schleunigst und dauerhaft mehr Mittel in den Norden leiten. Die immer größere soziale Spaltung im Stadtteil selbst, muss bekämpft werden. Aber an diese Chance glaubt der Sozialdemokrat Endruschat wohl nicht mehr, sondern sieht sein Heil lieber im „Muslimen-Bashing“. Immerhin erfreulich, dass Thomas Kutschaty, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Essen hier seinem Parteigenossen deutlich widerspricht und lieber auf gemeinsame Problemlösungen im Stadtteil setzt.
Die SPD-fraktion in der BV5 scheint das anders zu sehen: Obwohl sie teilweise bereits seit Jahrzehnten hier ihr Gemeindeleben führen, sind angeblich alle 4 Moscheegemeinden „konfliktträchtig“. Es ist sicherlich einfach, die etwa 40% Muslime im Stadtteil dafür verantwortlich zu machen, wenn es in Altenessen nicht voran geht. Mit dieser Methode könnte natürlich irgendwann auch der AfD-Steiger wieder zur SPD zurückkommen und einige dieser Wähler vielleicht auch. Gut für den ganzen Stadtteil wäre dagegen, diese Moscheegemeinden genau wie die katholische und evangelische Kirche verbindlich in die Pflicht für besseren Zusammenhalt im Quartier zu nehmen.

So wie sich die Mehrheit der Bezirksvertretung V jetzt positioniert hat, ist aber leider nicht zu erwarten, dass eine derartige Zusammenarbeit jetzt leichter würde.

Walter Wandtke

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