Europa als Bildungskontinent er-fahren

Der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring will ein Europa der Bildungschancen für alle

 

Die Europäische Union ist beliebt wie seit Jahrzehnten nicht. Die übergroße Mehrheit der EU-Bürger*innen ist überzeugt – so das aktuelle Eurobarometer –, dass ihr Land von der EU-Mitgliedschaft profitiert. In Essen und bundesweit gehen Menschen für den „Pulse of Europe“ auf die Straße.

Also alles wieder gut auf unserem „alten“ Kontinent? Nein! Europafeinde giften immer lauter gegen die Gemeinschaft und beschwören die unheilvollen Geister des Nationalismus.

Ihnen wollen wir etwas entgegensetzen – und das können wir. Vielen erscheint die EU als großer Verwaltungsapparat weit weg vom eigenen Alltag. Wer dieses Empfinden ändern will, muss die europäische Gemeinsamkeit erlebbar machen. Denn Europa ist auch immer ein Gefühl von Gemeinschaft in Vielfalt, von verbindenden Werten und inspirierenden Begegnungen.

Dafür muss man Europa er-fahren – und das ganz wörtlich: unseren Kontinent grenzüberschreitend bereisen und kennenlernen, von Lissabon bis Helsinki, von Dublin bis Istanbul. Die größte Erfolgsgeschichte ist hierfür das „Erasmus“-Programm. Seit über 30 Jahren bringt es Menschen im Bildungsbereich zusammen – vor allem Jugendliche, Studis, Azubis und Lehrkräfte. Ganz aktuell hat die EU-Kommission auf die grandiose Initiative junger Aktivisten beschlossen, ausgewählten Bewerber*innen kostenlose Interrail-Tickets bereitzustellen.

Doch leider erreichen diese Programme bisher noch zu wenige. Am den Bedürfnissen von Auszubildenden geht das Programm vorbei, weil die Bundesregierung versäumt, das deutsche Ausbildungswesen zukunftsfest zu machen und international zu öffnen.

Auch für viele Studierende aus finanziell ärmeren Familien deckt Erasmus – zusammen mit dem mageren BAföG – die Studienkosten längst nicht ab. Und auch von anderen Programmen profitieren oft die Menschen, denen das Elternhaus schon Reiselust und Kapital in die Wiege legt. Die Hürden beginnen beim bloßen Wissen um die Programme und enden bei wohlformulierten Bewerbungen. Diese jungen Menschen müssen wir für den Austausch erreichen, damit die europäischen Gesellschaften zusammenwachsen.

Deshalb wollen wir GRÜNE die bestehenden Programme so ausbauen, dass sie wirklich allen offenstehen. Dazu gehört neben der Stärkung Erasmus’ für alle auch der Ausbau des noch jungen „EU-Solidaritätskops“ als Möglichkeit an Freiwilligen- oder Beschäftigungsprojekten mitzumachen sowie grenzüberschreitende Kultur-, Sport und Forschungskooperationen.

Austausch sollte dabei immer von Workshops und Seminaren begleitet sein. Denn nationalistische Vorurteile oder Überforderung durch gesellschaftliche Vielfalt verschwinden in der Begegnung nicht von selbst. Es gilt im Umgang mit Diversity zu lernen und zu reflektieren. Mit Offenheit, mehr Austausch für Bildung und interkulturellem Kennenlernen können wir unsere gemeinsame Zukunft bauen.

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