Natalie Kajzer

 

Woher kommst du ursprünglich, liebe Natalie?

Das ist eine schwierige Frage für mich, da ich familiär einen internationalen Hintergrund habe und mich auch viel im Ausland bewegt habe. Mein sauerländischer Geburtsort, oder der Ort, wo ich zur Schule gegangen bin, stand immer gewissermaßen im Wechselverhältnis zu Polen, da mein familiärer und kultureller Bezug zu Polen für mich wesentlich stärker gewesen ist als zum Sauerland. Das Ruhrgebiet beeindruckt mich jedoch als Schmelztiegel und versöhnt meinen Background mit meinem Leben in Deutschland sehr gut.

Was hast du bisher gemacht und was machst du momentan?
Ich habe an der Universidad de Oviedo, Asturien (Spanien), und an der Universität Duisburg-Essen studiert, wo ich 2020 mit einem Master of Education abgeschlossen habe. Zudem habe ich eine Zusatzqualifikation für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache absolviert, was mir aufgrund meiner eigenen Sprachbiografie ein wichtiges Anliegen gewesen ist. Bereits als Schülerin habe ich mich mehrjährig als Sprach Scout engagiert, wo ich zwei Mal die Woche Kindern mit Einwanderungsgeschichte geholfen habe Deutsch zu lernen. Während meines Studiums habe ich bereits einige Jahre an Schulen unterrichtet, sowohl im Ausland als auch in Deutschland, und bin seit mehreren Jahren als freie Mitarbeiterin an Lernorten wie dem Jüdischen Museum Westfalen und der Alten Synagoge Essen in der antisemitismuskritischen Bildung unterwegs gewesen. 2020 bin über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) als Stipendiatin an eine deutsche Schule nach Mexiko gegangen und sollte eigentlich direkt anschließend weiter ans Goethe Institut in Washington D.C., was die Corona Pandemie jedoch verhindert hat. Zudem bin ich seit ein paar Jahren gewerkschaftlich organisiert in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Seit 2019 bin ich Sprecherin im Jungen Forum (JuFo) Ruhr der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG). Außerdem bin ich seit 2020 Teil des aktuellen Betzavta Ausbildungslehrgang der Landeszentrale für politische Bildung NRW, eine zusätzliche Ausbildung für politische Bildner*innen für welche man sich vor ab bewerben konnte. Hauptberuflich arbeite ich als Demokratiepädagogin in der Antisemitismusprävention bei SABRA. Darüber hinaus widme ich mich akademisch der Antisemitismusforschung im Rahmen meiner Doktorarbeit an der TU Berlin.

Was ist Deine grüne Geschichte?
Mit 15 Jahren wurde ich zur Mitbegründerin der Grünen Jugend Menden (Sauerland), im Sommer darauf wurde ich ebenfalls Mitbegründerin und erste Kreissprecherin der Grünen Jugend Märkischer Kreis. Beide Gruppen sind bis heute aktiv, was eine sehr wichtige Selbstwirksamkeitserfahrung ist. Ich fiel bereits zu Schulzeiten politisch stark auf, was im CDU geprägten Sauerland nicht unbedingt immer einfach gemacht hat. Die Erfahrung, sich über Widerstände hinwegzusetzen und nicht mit familiärer oder struktureller Unterstützung rechnen zu können, hat jedoch dazu geführt, dass ich mich sehr schnell auf Bundes- und Landesebene orientiert habe. So bin ich mit 16 bereits Mitglied in der Frauenkommission auf Bundesebene geworden, welche als Frauen- und Genderrat in der Satzung verankert wurde. Mit 17 wurde ich erstmals Mitglied des Landesvorstandes der Grünen Jugend NRW, zudem schrieb ich lange Zeit für die Mitgliederzeitschrift der Grünen Jugend NRW. Nach meinem Abitur und Umzug nach Essen wurde ich erneut zum Mitglied des Landesvorstandes der Grünen Jugend NRW gewählt. Während meines Studiums engagierte ich mich auch lose in der grünen Hochschulpolitik, sowie als Fachschaftsrätin, was jedoch zeitweise durch meinen Auslandsaufenthalt sowie durch Lohnarbeit unterbrochen wurde. Meine erste Landesmitgliederversammlung bei der Grünen Jugend NRW fand im Juni 2009 statt, jedoch bin ich nicht vom ersten Tag an Parteimitglied gewesen. Der Parteieintritt zählt zu meinen besten Entscheidungen.

Welche politischen Themen begeistern dich?
Schon als Teenagerin bin ich überzeugt davon gewesen, dass Demokratie eine Lebenseinstellung ist und diese Einstellung habe ich nie verloren. So kam es dazu, dass Demokratie mein übergeordnetes politisches Thema wurde. Hinter diesem großen Begriff Demokratie versteckt sich für mich der Kampf gegen jeden Antisemitismus, Rassismus jeder Art, Sexismus und Klassismus. Als Mensch, der selbst von Klassismus und Antislawismus betroffen ist, verbinde ich diese Themen oftmals sehr vielseitig, so beispielsweise auch in der Bildungspolitik. Eine gerechte Bildungspolitik ermöglicht Menschen Teilhabe, jedoch nur so weit, wie es auch gesellschaftliche Strukturen zulassen. Echte Demokratie und Bildungspolitik stehen in einem Wechselverhältnis. Das bedeutet für mich ganz klar auf Empowerment zu setzen, wo Diskriminierung herrscht: Ungleiches ungleich behandeln!

Was machst du gerne in deiner Freizeit, wenn Du Dich nicht mit grüner Parteiarbeit beschäftigst?
Neben meiner überwiegend politischen Freizeit bilden Kunst & Sprachen einen großen Teil meines Lebens. Sprachen begriff ich schon sehr früh als Türöffner. Fernweh ist mir von klein auf bekannt, doch wenn das Budget nicht für weite Reisen reicht, schnüre ich mir gerne die Wanderschuhe zum Wandern in der Region. Ich fotografiere zudem für mein Leben gerne sowohl digital als auch analog, schreibe viel und habe eine Zeit in halb öffentlichen Kontexten Texte geslamt. Und wenn neben all dem noch Zeit bleibt, koche ich sehr gerne.