„Die Essener würden sich umweltfreundlicher fortbewegen, wenn sie könnten.“

 

GRÜNE in Rüttenscheid diskutieren mit Greenpeace-Verkehrsexperten Notwendigkeiten und Chancen der Mobilitätswende vor Ort

 

„Die Essener würden sich umweltfreundlicher fortbewegen, wenn sie könnten.“ Dass in Essen im Gegensatz zu den meisten deutschen Großstädten das Auto nach wie vor das Verkehrsmittel Nummer eins ist, liegt für den Essener Greenpeace-Verkehrsexperten Björn Ahaus an den fehlenden Möglichkeiten umweltfreundlicher Mobilität. Ein lückenloses, durchgängiges Radwegenetz fehle bis heute und der Öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) habe die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit längst überschritten. „Die Kopenhagener bevorzugen das Rad nicht weil sie bessere Menschen sind, sondern weil sie damit schnell und komfortabel an ihr Ziel kommen“, sagte Ahaus beim GRÜNEN-Stammtisch im Bezirk II am Mittwochabend im Le Fou.

Die Eckkneipe platzte wegen des Andrangs aus allen Nähten. Denn das Thema brennt den Menschen unter den Nägeln. Schnell wurde klar: Ob die von Deutschland beim Klimagipfel von Paris zugesagte Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoß erreicht wird, hängt von den konkreten Entscheidungen vor Ort ab. Es wird also auch in Essen entschieden, ob Deutschland seine Verpflichtungen einhält oder sich – wie der aktuelle US-Präsident Donald Trump – vom Ziel der Weltgemeinschaft verabschiedet, den Planeten auch für die künftigen Generationen zu erhalten.

Als größtes Sorgenkind bezeichnete Ahaus den Verkehr. Während auf anderen Gebieten CO2 eingespart werde, habe der Verkehr bis heute keinerlei Beitrag geleistet. „Wenn bis 2035 die CO2-Reduktionsziele erreicht werden sollen, braucht es aber einen klimaneutralen Verkehr“, machte der Greenpeace-Experte klar. Das würde bedeuten, die Zahl der Autos pro 1.000 Einwohner von 438 auf 154 zu verringern, den Güterverkehr massiv von der Straße auf Schiene und Wasserstraßen zu verlagern und Deutschlands Autobahnen zu elektrifizieren, damit die verbleibenden LKWs nicht länger mit Verbrennungsmotoren, sondern mit Elektroantrieb unterwegs sein könnten.

Die Ziele von Paris sind erreichbar, wenn der Anteil des Öffentlichen Nahverkehrs (derzeit unter 20 Prozent), des Radverkehrs (derzeit 5 Prozent) und der Fußgänger (derzeit 22 Prozent) auf je ein Viertel am Gesamtverkehr ansteigen und der Autoverkehr von derzeit 54 Prozent auf ein Viertel sinkt, wie es der Essener Stadtrat in den Zielen zur Grünen Hauptstadt 2017 beschlossen hatte. Ideen, die teils auch kurzfristig umgesetzt werden können, gibt es genügend, wie die Diskussion beim GRÜNEN-Stammtisch zeigte: Die für den Radverkehr ausgebauten ehemaligen Bahntrassen müssten durchgängig asphaltiert und beleuchtet werden, dann wären sie alltagstauglich. Verbindungen und Fahrpläne von Bussen und Bahnen müssen in der Metropolregion Ruhrgebiet über Stadtgrenzen hinweg abgestimmt werden. Nach wie vor ist es zu billig, öffentlichen Raum zum Abstellen von Autos zu nutzen. Parkgebühren könnten zur Subventionierung von ÖPNV-Tickets genutzt werden. Der Wille in der Essener Bevölkerung, ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris zu leisten, ist da. Es ist nun an der (Essener) Politik die positive Stimmung für eine Mobilitätswende zu nutzen.

„Entscheidungen auf Mülheimer Seite der RuhrBahn, interkommunale Verbindungen unattraktiver zu machen, den ÖPNV-Grundtakt zu reduzieren und das Angebot damit auszudünnen und das mit der Erhöhung der Fahrpreise zum Jahreswechsel zu kombinieren, ist der völlig falsche Weg“ ergänzte GRÜNEN-Ratsherr und Verkehrsexperte Rolf Fliß. „Bewusstseinswandel und klimabewussteres Mobiltätsverhalten fängt schließlich vor der eigenen Haustür an und lässt sich nicht mit Fingerzeig beliebig auf andere delegieren!“, so sein Fazit der spannenden und intensiv geführten Diskussion.

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