Alarmierende Ergebnisse bei Vorschulkindern: Kinderarmut bekämpfen statt am Sozialstaat zu sparen
Die aktuellen Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen in Essen sind ein deutlicher Weckruf: Mehr als die Hälfte der Kinder startet mit Auffälligkeiten in die Grundschule. Besonders die sprachlichen Defizite sind alarmierend. Fachleute weisen darauf hin, dass viele Kinder zu spät die Unterstützung erhalten, die sie für einen guten Start ins Leben benötigen.
Dazu erklärt Sandra Schumacher, Co-Fraktionsvorsitzende und sozialpolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion Essen: „Diese Zahlen dürfen niemanden kaltlassen. Wenn Kinder mit erheblichen sprachlichen, motorischen oder gesundheitlichen Defiziten eingeschult werden, ist das häufig die Folge von Kinderarmut und fehlender Unterstützung in den ersten Lebensjahren. Gerade in Essen, wo jedes dritte Kind in Armut lebt, müssen wir endlich konsequent früher ansetzen.“
Die Grünen sehen die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen als klaren Auftrag, Prävention und Frühe Hilfen weiter auszubauen. „Wir brauchen eine starke Präventionskette von Anfang an. Deshalb setzen wir uns dafür ein, den Baby-Besuchsdienst sowie das Projekt der Familien-Lots:innen auszuweiten. Beide Angebote schaffen einen niedrigschwelligen Zugang zu Beratung und Unterstützung, begleiten Familien in belastenden Lebenssituationen und sorgen dafür, dass Hilfen dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Genau solche Angebote verhindern, dass sich Probleme verfestigen.“
Gerade in sozial benachteiligten Stadtteilen wie Altenessen oder Altendorf erreichen bestehende Hilfsangebote viele Familien nicht. Sprachliche und bürokratische Hürden verhindern häufig eine frühzeitige Unterstützung. „Deshalb müssen wir die Familien unterstützen – und nicht darauf warten, dass sie den Weg zu den Hilfsangeboten finden. Der Baby-Besuchsdienst sowie Familien- und Kita-Lots:innen gehen aktiv auf Familien zu, bauen Vertrauen auf und vermitteln die passende Unterstützung. Prävention muss dorthin kommen, wo die Menschen leben – insbesondere in Stadtteilen mit hohen sozialen Belastungen.“
„Wenn Sozialdezernent Peter Renzel die alarmierenden Essener Zahlen wirklich ernst nimmt, muss er sich der Forderung von Verena Schaeffer nach einem ganzheitlichen Kita-Pflichtjahr anschließen und bei seiner eigenen Landespartei in Düsseldorf einfordern.“
Kritisch bewerten die Grünen zugleich die Pläne der Bundesregierung, ausgerechnet bei sozialen Leistungen und der Unterstützung von Familien Einsparungen vorzunehmen. „Wer am Sozialstaat spart und Alleinerziehende zusätzlich belastet, verschärft genau die Probleme, die wir heute in den Schuleingangsuntersuchungen sehen. Kinder brauchen faire Startchancen – unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Wer Bildung ernst meint, muss Kinderarmut wirksam bekämpfen, statt soziale Sicherungssysteme zu schwächen.“
Die Grünen fordern deshalb einen klaren Fokus bei den städtischen Ausgaben: eine verlässliche Finanzierung frühkindlicher Bildung, den weiteren Ausbau der Frühen Hilfen und eine gezielte Unterstützung armutsbetroffener Familien bereits vor der Einschulung.
„Leider erleben wir aktuell, dass andere Projekte finanziell priorisiert werden, während ausgerechnet bei den Chancen von Kindern und Familien um jeden Euro gerungen werden muss. Wir erwarten von Sozialdezernent Peter Renzel, dass er sich gegenüber seinen Parteikolleg:innen in Berlin klar gegen Kürzungen bei Familien und dem Sozialstaat positioniert. Gleichzeitig muss er diese Prioritäten auch hier in Essen konkret umsetzen – bloße Forderungen reichen nicht. Wer es mit Chancengerechtigkeit ernst meint, muss die Unterstützung von Kindern und Familien zur obersten Priorität machen.“





